Ein Neubau vom Bauträger kostet pro Quadratmeter mehr als jede Bestandswohnung. Trotzdem ist er seit 2023 die Asset-Klasse, die Steuerberater ihren angestellten Mandanten am häufigsten nennen. Der Grund ist ein Gesetzespaket: Die degressive Abschreibung nach § 7 Abs. 5a EStG und die Sonderabschreibung nach § 7b EStG lassen sich kombinieren. Im ersten Jahr schreibst du rund 10 % des Gebäudewerts ab, in den ersten vier Jahren zusammen über 35 %.
Dazu kommt, was der Neubau nicht hat: keinen Sanierungsstau, keine alte Heizung, keine Sonderumlage für das Dach. Fünf Jahre Gewährleistung nach BGB, Energieeffizienz, die jede Mieterin sucht, und Grundrisse, die zur heutigen Nachfrage passen. Der Preis dafür ist eine niedrigere Mietrendite, und ein Risiko, das du kennen musst: Du kaufst von einem Bauträger, bevor das Haus steht.
- Einstieg
- ab ca. 220.000 €
- Mietrendite
- 3,5 bis 4,5 %
- Abschreibung
- 5 % degressiv + 5 % § 7b, Jahr 1 rund 10 %
- Aufwand
- minimal, kein Sanierungsstau
- Hauptrisiko
- Bauträger bis zur Fertigstellung
- Für wen
- ab 3.500 € netto mit Steuerfokus
Steckbrief
Was Neubau als Kapitalanlage anders macht
Beim Neubau kaufst du in der Regel vom Bauträger nach Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV): Du zahlst den Kaufpreis in Raten nach Baufortschritt, das Grundstück gehört dir ab der Auflassungsvormerkung, und das Haus wird schlüsselfertig übergeben. Zwischen Kaufvertrag und Übergabe liegen zwölf bis vierundzwanzig Monate.
In dieser Zeit zahlst du Bereitstellungszinsen oder bereits Zinsen auf die ausgezahlten Raten, aber noch keine Tilgung und bekommst noch keine Miete. Das ist die Phase, in der die Finanzierung sauber geplant sein muss. Gute Anbieter sichern die Bauzeit mit einer Fertigstellungsbürgschaft ab und finanzieren die Zwischenphase mit.
Nach der Übergabe läuft der Neubau wie ein Uhrwerk. Erstvermietung meist über den Anbieter, Verwaltung gestellt, Instandhaltung in den ersten zwanzig Jahren bei nahezu null. Die Rücklage baut sich von Anfang an auf, statt mit einem Sanierungsstau zu starten.
Die degressive AfA: 5 % vom Restwert
Für Wohngebäude, deren Bau zwischen dem 1. Oktober 2023 und dem 30. September 2029 begonnen wird, erlaubt § 7 Abs. 5a EStG eine degressive Abschreibung von 5 % pro Jahr auf den jeweiligen Restwert. Im ersten Jahr sind das 5 % des Gebäudewerts, im zweiten 5 % von 95 %, also 4,75 %, und so weiter. Die Abschreibung ist in den ersten Jahren mehr als doppelt so hoch wie die 2 % einer Bestandswohnung.
Du kannst jederzeit zur linearen Abschreibung wechseln, was sich nach etwa fünfzehn Jahren lohnt, wenn die lineare Rate den degressiven Restwert überholt. Die Bank interessiert das nicht, das Finanzamt rechnet es mit. Wichtig ist nur der Baubeginn im Förderfenster, den der Bauträger mit der Baubeginnanzeige nachweist.
| Jahr | Degressiv (§ 7 Abs. 5a) | Zusätzlich § 7b | Zusammen |
|---|---|---|---|
| 1 | 5,00 % | 5 % | 10,00 % |
| 2 | 4,75 % | 5 % | 9,75 % |
| 3 | 4,51 % | 5 % | 9,51 % |
| 4 | 4,29 % | 5 % | 9,29 % |
| Summe Jahr 1 bis 4 | 18,55 % | 20 % | 38,55 % |
§ 7b Sonderabschreibung: die Bedingungen
Die Sonderabschreibung für den Mietwohnungsneubau gibt es zusätzlich zur regulären AfA: 5 % pro Jahr in den ersten vier Jahren. Sie ist an Bedingungen geknüpft, die der Anbieter nachweisen muss, nicht du:
- Bauantrag zwischen 1. Januar 2023 und 30. September 2029.
- Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeitsklasse und dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG).
- Baukostenobergrenze 5.190 € pro Quadratmeter Wohnfläche. Liegen die Anschaffungskosten darüber, entfällt § 7b komplett.
- Bemessungsgrundlage maximal 4.000 € pro Quadratmeter. Darüber wird die Sonder-AfA gedeckelt.
- Vermietung zu Wohnzwecken für mindestens zehn Jahre. Verkaufst du früher oder nutzt selbst, wird die Sonderabschreibung rückgängig gemacht.
In Städten mit Kaufpreisen über 5.000 € pro Quadratmeter fällt § 7b damit regelmäßig weg. Das Modell funktioniert am besten in Mittelstädten und B-Lagen, wo Bauträger unter der Obergrenze bauen. Genau dort sitzen die Anbieter, die wohnvest für Neubau empfiehlt. Lass dir das QNG-Zertifikat und die Kostenaufstellung je Quadratmeter zeigen, bevor du mit § 7b rechnest.
Kaufpreis und Bankwert: die Lücke verstehen
Neubau wird zum Kalkulationspreis des Bauträgers verkauft: Grundstück, Baukosten, Vertrieb, Marge. Die Bank bewertet dagegen nach Ertragswert und Vergleichsobjekten. Zwischen beiden liegt häufig eine Lücke von 5 bis 15 %. Das ist kein Betrug, sondern die Natur von Neubau, aber es hat zwei Folgen: Die Bank finanziert eventuell nicht den vollen Kaufpreis, und ein Verkauf in den ersten Jahren bringt selten den Einstandspreis.
Prüfen kannst du die Lücke mit zwei Fragen: Welche Banken haben das Projekt bereits finanziert, und zu welchem Beleihungswert? Und wie liegt der Quadratmeterpreis im Vergleich zu Neubau-Inseraten derselben Stadt? Weicht er um mehr als 15 % nach oben ab, muss der Anbieter erklären, warum. Die zwölf Fragen an jeden Anbieter helfen dir dabei.
Das Bauträgerrisiko und wie du es begrenzt
Zwischen 2022 und 2024 sind in Deutschland so viele Bauträger insolvent gegangen wie seit zwanzig Jahren nicht. Käufer standen mit halbfertigen Häusern da. Seitdem gilt: Der Bauträger ist wichtiger als das Objekt. Drei Dinge schützen dich:
- MaBV-Ratenzahlung. Du zahlst nur nach erreichtem Baufortschritt, nie im Voraus.
- Fertigstellungsbürgschaft einer Bank oder Versicherung. Fällt der Bauträger aus, wird das Haus trotzdem fertig.
- Historie des Bauträgers. Mindestens zehn fertiggestellte Projekte, nachweisbar, mit Referenzen.
wohnvest prüft Bauträger auf genau diese Punkte und auf ihre Bilanz. Anbieter ohne Bürgschaft oder mit weniger als fünf Jahren Historie bekommen keine Empfehlung, egal wie gut das Exposé aussieht.
Für wen der Neubau passt
Der Neubau passt zu dir ab etwa 3.500 € netto, wenn du einen Grenzsteuersatz ab 35 % hast und bereit bist, eine höhere Rate gegen deutlich mehr Steuererstattung und null Sanierungsaufwand zu tauschen. Bei 280.000 € Kaufpreis liegt die Rate mit 4,5 % Zins und 1,5 % Tilgung bei rund 1.400 € im Monat; Miete und Erstattung decken in den ersten Jahren 85 bis 95 % davon.
Er passt nicht, wenn du in den nächsten acht Jahren verkaufen willst, wenn deine Finanzierung die Bauzeit nicht trägt, oder wenn du die Immobilie sehen und anfassen willst, bevor du kaufst. Dann ist die Bestandswohnung die bessere Wahl.
Rechenbeispiel: Neubau bei 60.000 € Bruttogehalt
Neubau für 280.000 €, 3,8 % Mietrendite, degressive AfA plus § 7b, 60.000 € Bruttojahresgehalt, Vollfinanzierung zu 4,5 % Zins und 1,5 % Tilgung, 2 % Wertsteigerung pro Jahr. Die Erstattung ist in den ersten vier Jahren am höchsten.
Dein Überschuss pro Monat
212 €
Rate 1.400 € minus Miete 887 € minus Steuererstattung 725 €. Miete und Finanzamt tragen 100 % der Rate.
- Kaufpreis, vollfinanziert
- 280.000 €
- Kreditrate pro Monat
- 1.400 €
- Miete pro Monat
- 887 €
- Abschreibung im ersten Jahr (10 % des Gebäudewerts)
- 22.400 €
- Steuererstattung pro Monat, erstes Jahr
- 725 €
- Steuererstattung in zehn Jahren
- 49.991 €
- Getilgt in zehn Jahren
- 51.610 €
- Vermögen nach zehn Jahren (Wert minus Restschuld)
- 112.929 €
Annahmen: Gebäudeanteil 80 %, zu versteuerndes Einkommen 80 % vom Brutto, Einkommensteuertarif 2025 ohne Soli und Kirchensteuer, Mietsteigerung 1,5 % pro Jahr, 660 € Verwaltung und Instandhaltung pro Jahr. Keine Steuer- oder Anlageberatung.
Vor- und Nachteile der Neubau
Dafür
- Rund 10 % Abschreibung im ersten Jahr, über 38 % in vier Jahren
- Kein Sanierungsstau, fünf Jahre Gewährleistung
- Energieeffizienz, die Mieter suchen und die Bank honoriert
- Verwaltung und Erstvermietung meist vom Anbieter gestellt
- Rücklage baut sich von null auf statt mit Altlasten
Dagegen
- Niedrigere Mietrendite als Bestand (3,5 bis 4,5 %)
- Bauträgerrisiko bis zur Fertigstellung
- Zwölf bis vierundzwanzig Monate ohne Miete, aber mit Zinsen
- Kaufpreis kann über dem Beleihungswert der Bank liegen
- § 7b entfällt bei Baukosten über 5.190 €/m² und bei Verkauf vor zehn Jahren
Fazit
Der Neubau ist die Asset-Klasse für Angestellte mit hoher Steuerlast, die kein Sanierungsrisiko wollen. Die Kombination aus degressiver AfA und § 7b bringt in vier Jahren mehr Abschreibung als eine Bestandswohnung in neunzehn. Die Bedingungen sind streng, der Bauträger ist das Risiko, und der Kaufpreis muss zum Bankwert passen.
Deshalb entscheidet beim Neubau der Anbieter mehr als bei jeder anderen Asset-Klasse. wohnvest kennt die Bauträger, die unter der Kostenobergrenze bauen, mit Bürgschaft arbeiten und seit Jahren liefern. Sag uns dein Budget, wir empfehlen dir den passenden.
Anbieter für Neubau findenKostenlos in 60 Sekunden
Häufige Fragen zur Neubau
Gilt die degressive AfA auch für Wohnungen, die ich 2027 kaufe?
Ja, solange der Bauträger den Bau zwischen dem 1. Oktober 2023 und dem 30. September 2029 begonnen hat. Entscheidend ist der Baubeginn, nicht dein Kaufdatum. Der Anbieter weist ihn mit der Baubeginnanzeige nach.
Was passiert mit § 7b, wenn ich nach sieben Jahren verkaufe?
Die Sonderabschreibung setzt eine Vermietung von mindestens zehn Jahren ab Fertigstellung voraus. Verkaufst du früher, wird sie rückwirkend gestrichen und die Steuerbescheide werden geändert. Die degressive AfA nach § 7 Abs. 5a bleibt davon unberührt, der Verkaufsgewinn ist innerhalb der zehn Jahre aber steuerpflichtig.
Wie lange dauert es, bis Miete fließt?
Vom Kaufvertrag bis zur Übergabe vergehen bei einem Projekt im Rohbau zwölf bis achtzehn Monate, bei einem Projekt im Planungsstadium bis zu vierundzwanzig. Seriöse Anbieter nennen einen Fertigstellungstermin im Vertrag, mit Vertragsstrafe bei Verzug. Frag danach.
Ist Neubau bei 4,5 % Zins überhaupt noch rentabel?
Die Mietrendite allein trägt die Rate nicht, das stimmt. Mit der Abschreibung von rund 10 % im ersten Jahr und einem Grenzsteuersatz von 40 % kommen aber bei 280.000 € Kaufpreis über 9.000 € Erstattung im ersten Jahr dazu. Miete plus Erstattung decken dann rund 90 % der Rate. Rechne es mit deinen Zahlen im Steuerrechner.
Wie erkenne ich einen soliden Bauträger?
An drei Nachweisen: Fertigstellungsbürgschaft, Ratenzahlung nach MaBV und eine Liste fertiggestellter Projekte der letzten zehn Jahre mit Adressen, die du nachschauen kannst. Dazu eine Bilanz mit Eigenkapitalquote über 20 %. Wer eines davon nicht liefert, ist raus.
Zum Vertiefen