Eine Bestandswohnung ist eine Eigentumswohnung in einem Haus, das seit Jahrzehnten steht und in der Regel bereits vermietet ist. Du kaufst die Wohnung mit dem laufenden Mietvertrag, die Miete fließt ab dem Monat der Übergabe, und du weißt vorher, was der Mieter zahlt und wie lange er schon dort wohnt.
Das macht sie zur Asset-Klasse mit den wenigsten Überraschungen. Keine Bauzeit, keine Erstvermietung, keine Prognose, ob die Lage funktioniert. Sie funktioniert seit vierzig Jahren. Der Preis dafür ist eine niedrigere Abschreibung als bei Neubau oder Denkmal, und die Instandhaltung des Gemeinschaftseigentums liegt bei der Eigentümergemeinschaft, also auch bei dir.
- Einstieg
- ab ca. 150.000 €
- Mietrendite
- 4 bis 5,5 %
- Abschreibung
- 2 % linear, mit Gutachten 4 bis 5 %
- Aufwand
- niedrig mit Verwaltung
- Hauptrisiko
- Instandhaltung des Hauses
- Für wen
- Einsteiger ab 3.000 € netto
Steckbrief
Was eine Bestandswohnung als Kapitalanlage ausmacht
Der Begriff Bestand grenzt die Wohnung vom Neubau ab: Das Gebäude ist fertig, bezogen und bewirtschaftet. Typisch sind Baujahre zwischen 1950 und 2010, Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit 45 bis 75 Quadratmetern in Städten ab 100.000 Einwohnern. Genau diese Größe ist die am stärksten nachgefragte Mietwohnung in Deutschland, weil Singles, Paare und Pendler sie suchen.
Als Kapitalanlage kaufst du sie nicht zum Einziehen, sondern als Betrieb: Du hast einen Mieter als Kunden, eine Bank als Partner und eine Hausverwaltung, die den Alltag macht. Dein Job beschränkt sich auf drei Dinge: den Kontoauszug lesen, einmal im Jahr die Eigentümerversammlung durchgehen und die Steuererklärung um die Anlage V ergänzen.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Asset-Klassen liegt in der Planbarkeit. Du siehst den Mietvertrag, die Nebenkostenabrechnungen der letzten Jahre, die Protokolle der Eigentümerversammlungen und die Höhe der Instandhaltungsrücklage, bevor du unterschreibst. Beim Neubau kaufst du einen Plan, beim Denkmal ein Sanierungsversprechen. Bei der Bestandswohnung kaufst du Fakten.
Zahlen: Kaufpreis, Mietrendite, Nebenkosten
Der Einstieg liegt in den meisten deutschen Großstädten zwischen 150.000 und 250.000 €, in Leipzig, Chemnitz, Magdeburg oder dem Ruhrgebiet auch darunter. Entscheidend ist nicht der Preis pro Quadratmeter, sondern das Verhältnis von Kaltmiete zu Kaufpreis: die Bruttomietrendite. 4 % gelten als solide, 5 % als gut, über 6 % solltest du die Lage und den Zustand doppelt prüfen.
| Posten | Richtwert | Wo es steht |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 150.000 bis 250.000 € | Kaufvertrag |
| Kaufnebenkosten | 6 bis 12 % (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler) | Bundesland, Notarangebot |
| Kaltmiete | 4 bis 5,5 % des Kaufpreises pro Jahr | Mietvertrag, Mietspiegel |
| Hausgeld, nicht umlagefähig | 25 bis 45 € pro Monat | Wirtschaftsplan der WEG |
| Instandhaltungsrücklage | 0,80 bis 1,50 € pro m² und Monat | Wirtschaftsplan, Rücklagenstand |
| Sondereigentumsverwaltung | 25 bis 35 € pro Monat | Angebot der Verwaltung |
Bei Off-Market-Objekten entfällt die Maklerprovision häufig, weil der Anbieter direkt verkauft. Das senkt die Nebenkosten um bis zu 3,57 % und verbessert die Rendite spürbar. Frag trotzdem nach, was im Kaufpreis an Vertriebskosten steckt. Der Ratgeber mit den zwölf Fragen an jeden Anbieter zeigt, wie du das herausfindest.
Steuern: 2 % AfA, mit Gutachten deutlich mehr
Der Gebäudeanteil einer Bestandswohnung wird linear mit 2 % pro Jahr abgeschrieben, bei Baujahr vor 1925 mit 2,5 %. Bei 180.000 € Kaufpreis und 80 % Gebäudeanteil sind das 2.880 € im Jahr, die dein zu versteuerndes Einkommen senken, ohne dass du einen Cent ausgegeben hast. Dazu kommen die Kreditzinsen, das Hausgeld und die Verwaltung als Werbungskosten.
Der Hebel, den viele Anbieter nicht erwähnen: Mit einem Gutachten zur tatsächlichen Restnutzungsdauer nach § 7 Abs. 4 Satz 2 EStG lässt sich die Abschreibungsdauer verkürzen. Bescheinigt ein zertifizierter Sachverständiger 25 Jahre Restnutzungsdauer, schreibst du 4 % ab, bei 20 Jahren 5 %. Das Gutachten kostet 800 bis 1.500 € und verdoppelt die Steuerwirkung über Jahrzehnte. Das Bundesfinanzministerium hat die Anforderungen im Schreiben vom Februar 2023 festgelegt; seitdem erkennen die Finanzämter solche Gutachten regelmäßig an.
Verkaufst du nach mehr als zehn Jahren, ist der Wertzuwachs steuerfrei. Innerhalb der Frist wird die Differenz zwischen Verkaufspreis und Restbuchwert versteuert, inklusive der bereits abgeschriebenen Beträge. Deshalb: Bestandswohnungen sind ein Langfristinvestment. Wie das Finanzamt bei einer vermieteten Immobilie mitzahlt, rechnet der Steuerrechner mit deinen Zahlen vor.
Prüfliste: Was du vor dem Kauf lesen musst
Die Bestandswohnung ist die einzige Asset-Klasse, bei der du die ganze Geschichte des Objekts lesen kannst. Tu es. Diese Unterlagen muss dir jeder seriöse Anbieter vor der Reservierung geben:
- Protokolle der letzten drei Eigentümerversammlungen. Steht dort „Dachsanierung vertagt“ oder „Sonderumlage“, weißt du, was kommt.
- Wirtschaftsplan und Rücklagenstand. Unter 10.000 € Rücklage bei zwanzig Einheiten ist ein Warnsignal.
- Teilungserklärung. Wer trägt die Fenster, wer den Balkon? Das steht hier, nicht im Prospekt.
- Mietvertrag mit Nachträgen. Miethöhe, Kaution, letzte Erhöhung, Staffel oder Index. Liegt die Miete 20 % unter der Vergleichsmiete, ist das Potenzial, aber auch Arbeit.
- Energieausweis und Zustand der Heizung. Ein Kessel von 1998 wird in den nächsten Jahren zur Sonderumlage.
- Grundbuchauszug. Lasten in Abteilung II, Grundschulden in Abteilung III.
wohnvest prüft genau diese Punkte bei jedem Anbieter, bevor er in die Empfehlung kommt. Anbieter, die Protokolle erst nach der Reservierung herausgeben, fallen durch.
Off-Market: Warum gute Bestandswohnungen nie inseriert werden
Auf den Portalen landet, was der Verkäufer breit streuen muss, weil er keinen Käufer kennt. Vermietete Wohnungen mit solider Rendite gehen vorher an Bestandshalter, Aufteiler und Vertriebe mit Käuferlisten, oft als ganzes Paket aus zwanzig oder fünfzig Einheiten. Von dort kommen sie in die Vermittlung, zu Preisen, die der Zwischenhändler kalkuliert hat.
Der Zugang entscheidet deshalb über die Rendite. wohnvest arbeitet mit rund 50 Anbietern, die Bestandsportfolios in ganz Deutschland halten und einzelne Einheiten an Privatanleger abgeben. Du bekommst nicht die Wohnung, die übrig ist, sondern die, die zu deinem Suchprofil passt: Stadt, Budget, Rendite. Wie Off-Market in der Praxis funktioniert, steht im Ratgeber dazu.
Für wen die Bestandswohnung passt
Sie passt zu dir, wenn du mit einem Einkommen ab 3.000 € netto den ersten Schritt gehen willst und dabei Planbarkeit wichtiger ist als die maximale Steuerwirkung. Die Rate liegt bei 180.000 € Kaufpreis und 4,5 % Zins plus 1,5 % Tilgung bei rund 900 € im Monat, die Miete deckt 60 bis 70 % davon, die Steuererstattung einen weiteren Teil.
Sie passt nicht, wenn du einen Grenzsteuersatz über 42 % hast und die Immobilie vor allem als Steuerinstrument siehst. Dann bringen Neubau oder Denkmal in den ersten Jahren das Drei- bis Vierfache an Abschreibung. Und sie passt nicht, wenn du nie eine Eigentümerversammlung lesen willst, denn das Gemeinschaftseigentum ist der Teil, der Geld kostet, wenn niemand hinschaut.
Rechenbeispiel: Bestandswohnung bei 60.000 € Bruttogehalt
Bestandswohnung für 180.000 €, 4,5 % Mietrendite, Restnutzungsdauer-Gutachten über 25 Jahre (4 % AfA), 60.000 € Bruttojahresgehalt, Vollfinanzierung zu 4,5 % Zins und 1,5 % Tilgung, 2 % Wertsteigerung pro Jahr.
Deine Zuzahlung pro Monat
39 €
Rate 900 € minus Miete 675 € minus Steuererstattung 186 €. Miete und Finanzamt tragen 96 % der Rate.
- Kaufpreis, vollfinanziert
- 180.000 €
- Kreditrate pro Monat
- 900 €
- Miete pro Monat
- 675 €
- Abschreibung im ersten Jahr (4 % des Gebäudewerts)
- 5.760 €
- Steuererstattung pro Monat, erstes Jahr
- 186 €
- Steuererstattung in zehn Jahren
- 18.193 €
- Getilgt in zehn Jahren
- 33.178 €
- Vermögen nach zehn Jahren (Wert minus Restschuld)
- 72.597 €
Annahmen: Gebäudeanteil 80 %, zu versteuerndes Einkommen 80 % vom Brutto, Einkommensteuertarif 2025 ohne Soli und Kirchensteuer, Mietsteigerung 1,5 % pro Jahr, 660 € Verwaltung und Instandhaltung pro Jahr. Keine Steuer- oder Anlageberatung.
Vor- und Nachteile der Bestandswohnung
Dafür
- Miete ab dem ersten Monat, kein Erstvermietungsrisiko
- Lage seit Jahrzehnten bewährt, Wohnung besichtigbar
- Niedrigster Einstieg aller Asset-Klassen
- Alle Unterlagen vorab prüfbar: Protokolle, Rücklage, Mietvertrag
- Mit Restnutzungsdauer-Gutachten 4 bis 5 % Abschreibung
- Breiter Wiederverkaufsmarkt, auch an Selbstnutzer
Dagegen
- Nur 2 % lineare AfA ohne Gutachten
- Instandhaltung des Hauses trifft dich über Hausgeld und Sonderumlagen
- Mietsteigerung begrenzt durch Kappungsgrenze und Mietpreisbremse
- Energetische Sanierung kann in den nächsten zehn Jahren anstehen
- Bei Altmietverträgen liegt die Miete oft unter Marktniveau
Fazit
Die Bestandswohnung ist der Einstieg mit den wenigsten Unbekannten. Du kaufst Miete, die schon fließt, und eine Lage, die sich bewiesen hat. Mit einem Restnutzungsdauer-Gutachten wird aus der schwachen Abschreibung eine ordentliche, und mit Off-Market-Zugang entfällt der Aufschlag, den der Portalmarkt kostet.
Die Frage ist nicht, ob die Bestandswohnung gut ist, sondern welche. Dafür brauchst du Anbieter mit echten Beständen und offenen Unterlagen. Sag uns, was du suchst, und wir empfehlen dir den, der es hat.
Anbieter für Bestandswohnung findenKostenlos in 60 Sekunden
Häufige Fragen zur Bestandswohnung
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Bestandswohnung?
Mit einem festen Einkommen ab 3.000 € netto und sauberer Schufa finanzieren viele Banken den Kaufpreis zu 100 %. Die Kaufnebenkosten von 6 bis 12 % solltest du selbst tragen können, manche Anbieter bieten auch dafür Lösungen an. Ohne jedes Eigenkapital geht es, es verschlechtert aber den Zins um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte.
Was ist besser: vermietet oder leer kaufen?
Für eine Kapitalanlage ist vermietet fast immer besser: Du siehst die echte Miete, hast keinen Leerstand ab Tag eins und die Bank bewertet den laufenden Vertrag positiv. Leer gekaufte Wohnungen lassen sich zwar zur Marktmiete neu vermieten, kosten aber Zeit, Vermarktung und oft eine Renovierung.
Was ist, wenn der Mieter nicht zahlt?
Mietausfall ist das Risiko, das am häufigsten befürchtet und am seltensten eintritt. Bei guter Mieterauswahl liegt die Quote unter 2 %. Eine Mietausfallversicherung kostet rund 60 bis 120 € im Jahr, viele Verwaltungen bieten sie mit an. Wichtig ist eine Rücklage von zwei bis drei Monatsraten für den Fall der Fälle.
Lohnt sich ein Restnutzungsdauer-Gutachten wirklich?
Bei einer Wohnung mit Baujahr vor 1990 fast immer. Das Gutachten kostet 800 bis 1.500 €, verkürzt die Abschreibungsdauer von 50 auf 20 bis 30 Jahre und erhöht die jährliche AfA von 2 % auf 3,3 bis 5 %. Bei 150.000 € Gebäudewert und 42 % Steuersatz sind das 800 bis 1.900 € mehr Erstattung pro Jahr, jedes Jahr.
Wie finde ich Bestandswohnungen abseits der Portale?
Über Anbieter, die eigene Bestände halten oder Portfolios aufteilen. Sie verkaufen an Käufer, die ein Suchprofil hinterlegt haben, bevor etwas inseriert wird. wohnvest bündelt rund 50 solcher Anbieter und empfiehlt dir kostenlos den, dessen Bestand zu deinem Budget und deiner Wunschregion passt.
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